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Craniosacrale Osteopathie

Die Craniosacrale Osteopathie ist eine der drei „Säulen“ des heute allgemein gültigen osteopathischen Modells, wie es weltweit an vielen osteopathischen Schulen und Universitäten vermittelt wird.

Während die Parietale Osteopathie den Bewegungsapparat auf Dysfunktionen untersucht und behandelt, die Viszerale Osteopathie die Gesamtheit der inneren Organe, wird in der Craniosacralen Osteopathie die Funktion des Nervensystems und seiner Hüllstrukturen (knöcherner Schädel / lat. Kranium & bindegewebige Hirn- und Rückenmarkshäute) und assoziierte Systeme, vor allem das Becken und genauer das Kreuzbein (Sakrum), untersucht und behandelt. In vielen osteopathischen Schulen wird auch die Untersuchung und Behandlung des Kauapparates zur Craniosacralen Osteopathie hinzugezählt, weshalb man aus dieser Sicht auch vom cranio-stomatho-sakralen System sprechen kann.

Die Craniosacrale Osteopathie geht von der Annahme aus, dass die genannten Strukturen eine Eigenbewegung aufweisen, deren Dynamik einen wichtigen Faktor für die Funktion des Nervensystems darstellt. Sollte die dem Craniosacralen System und all seiner Strukturen eigene Bewegung aufgrund einer Dysfunktion stagnieren, kommt es – wie immer im osteopathischen Konzept – zu einer Veränderung der Struktur und damit zu Krankheitssymptomen beim Betroffenen.

 

Craniosacrale Osteopathie: Finden der Dysfunktion (Craniosacrale Diagnostik)

In der Craniosacralen Osteopathie untersucht und behandelt man häufig Strukturen, die von Knochen umgeben sind, also z.B. im Inneren der Wirbelsäule oder des Schädels liegen. Da es wie schon erwähnt um Eigenbewegungen geht, die von den untersuchten Strukturen ausgeführt werden, kann man sich vielleicht vorstellen, dass diese Bewegungen auf die um die Gewebe herumliegenden bindegewebigen Hüllen (Rücken- und Hirnhäute) und Knochen übertragen werden. Mit anderen Worten: die Eigenbewegungen des Nervensystems (Motilität) im Schädelinneren führen zu assoziierten Bewegungen der Schädelknochen. Diese Bewegungen (genannt Cranialer Rhythmus) sind natürlich sowohl in Ihrem Bewegungsumfang (engl. „amplitude“) als auch in Ihrer absoluten Kraft (engl. „force“) sehr fein und somit kaum wahrnehmbar – es sei denn, man ist wie ein Osteopath speziell darauf geschult, diese Bewegungen wahrzunehmen.

Kommt es zu einer Veränderung der gängigen menschlichen Norm in den Parametern „amplitude“, „force“ oder ungleiche bzw. disharmonische Bewegungsmuster („lateral-“ oder „vertical strain“), wird der Osteopath sich auf die Suche nach dem Grund für diese Veränderung des Craniosacralen Systems machen und nicht selten eine Dysfunktion eines Gewebes finden, die sich durch gezielte Handgriffe behandeln lässt.

 

Craniosacrale Osteopathie: Ablauf der Therapie

Die Therapie der craniosacralen Dysfunktionen ist i.d.R. äußerst sanft – in Analogie zu den überaus feinen Kräften, denen der Osteopath bei seiner Evaluation des Craniosacralen Systems nachspürt. Oft geht die Behandlung mit einer funktionellen Verbesserung des vegetativen Nervensystems einher, dem Teil des Nervensystems also, der nicht unserem Willen unterworfen ist. Die Craniosacrale Osteopathie stellt damit einen wichtigen Beitrag zur strukturellen Behandlung von Beschwerden, die im hormonell bedingt sind oder im Bereich der Stoffwechselerkrankungen liegen. Außerdem kann Sie eine wertvolle Hilfe bei funktionellen Erschöpfungszuständen sein (Burnout-Syndrom oder seine Vorstufen), ebenso bei allen Erkrankungen, die mit funktionellen Störungen der Hirnnerven einhergehen (z.B. Faszialisparese).

Aus diesem Grund eignet sich die Craniosacrale Osteopathie auch für die Behandlung unterschiedlichster Funktionsstörungen auch bei Patientengruppen, die man sonst nicht osteopathisch behandeln könnte, insbesondere nicht über eine Therapie des parietalen Systems. Hier seien genannt z.B. Babys, Angstpatienten, Patienten mit schweren Stoffwechselstörungen wie Osteoporose, Patienten unter dem Einfluss bestimmter Medikamente (z.B. Kortison), aber auch viele andere, bei denen man eine manuelle Therapie aus gutem Grund sonst nicht erwägen würde.

Veröffentlicht: 6. November 2014